Der Dirigent Will Humburg jedenfalls liebt Verdi. Weniger die großen sängerischen Exstasen, die er aus dem Graben eher zügelt und dem unerbittlichen Puls dieser „schicksalshaften“ Musik unterwirft. Aber er liebt dem feurigen Atem dieser Musik, die Genauigkeit, das gemeißelte Timing, die klangliche Diät. (MICHAEL STRUCK-SCHLOEN, OPERNWELT 3/25)
Dank Will Humburg und dem Orchester wird die ohnehin dramatische Oper zu einem echten Thriller.
Nicht nur wegen der Besetzung waren die Opernfreunde sehr gespannt auf die Premiere von La forza del destino am Theater Bonn. Denn mit Will Humburg steht ein ausgewiesener Verdi-Experte am Pult. Er dirigiert einen spannungsgeladenen, klangsatten Verdi, der das Publikum auf der sprichwörtlichen Stuhlkante hält. Seine Interpretation ist hochkomplex; sie lebt von fein gearbeiteten Temponuancen, plötzlichen Richtungswechseln und bewusst gesetzten Zäsuren. Humburg fordert das Beethoven Orchester Bonn bis an seine Grenzen und darüber hinaus. Dabei entstehen immer wieder Momente intensiver Verdichtung und dramatischer Aufladung, die sich unmittelbar auf den gesamten Raum übertragen. Besonders eindrucksvoll ist, wie das Orchester diese anspruchsvolle Lesart umsetzt. Die Partitur verlangt nicht nur technische Perfektion, sondern auch ständige Wachsamkeit – denn die Vielzahl an Tempowechseln und dynamischen Kontrasten erschwert die Kommunikation mit der Bühne erheblich. Und doch gelingt es dem Beethoven Orchester Bonn, diese Herausforderung mit bemerkenswerter Präzision zu meistern. Die Blechbläser spielen mit glühender Energie, setzen glanzvolle Akzente und geben den dramatischen Höhepunkten ihre Wucht. Die Holzbläser überzeugen mit blitzsauberer Artikulation und gestalterischer Feinheit. Die Streicher tragen die emotionale Linie mit großer Klarheit, zugleich geschmeidig und kraftvoll. Humburgs Lesart ist dabei kein Selbstzweck, sondern tief mit der dramatischen Struktur des Werks verwoben – ein musikalischer Ausdruck jener existenziellen Unruhe, die sich auch in Verdis Text und Figuren spiegelt. (…) Die musikalische Seite dieser Premiere wird nahezu frenetisch gefeiert. Will Humburg und das Orchester werden schon nach der Pause bejubelt. (CULTURECOLOURS KULTURMAGAZIN, 10.2.25)
Man spürt an diesem Premierenabend im Bonner Opernhaus sofort, dass im Orchestergraben jemand den Taktstock führt, der jede emotionale Regung, die Verdi dem Notenpapier anvertraut hat, versteht und sie auch wieder zum Klingen bringen kann. Will Humburg, der schon viele Verdi-Produktionen in Bonn in orchestrale Sternstunden verwandelte, leistet zusammen mit dem Beethoven Orchester auch hier wieder exzellente Arbeit. Er balanciert den Orchesterklang perfekt aus, in diesem Fall so, dass der erhöhte Herzschlag der Fliehenden hörbar wird, ihre Angst und nervöse Unruhe mitempfunden werden, ohne dass die Musik den Kipppunkt überschreitet, wo sie nur noch gehetzt wirken würde. Und Humburg hört auf die Sängerin. (BONNER GENERALANZEIGER, 3.2.25)
Im Orchester pfeift, grummelt und heult es. Dirigent Will Humburg spitzt die Klangeffekte immer wieder zu, lässt das Beethoven Orchester, das über sich hinauswächst (großartige Holzbläsersoli!), scharf attackieren. Die kleinen Noten haben die Präzision von Nadelstichen. Kontraste werden hervorgehoben. Das ist weit weg von einem behaglichen Wohlfühl-Verdi. Und dann gibt es die melodischen Linien, die ohne Pathos und Sentiment, aber mit schicksalhafter Größe erklingen. Manche Phrase weist in ihrer geradezu lakonischen Interpretation auf den späten Verdi voraus. Gleichzeitig ist Humburg ein exzellenter Begleiter der Sängerinnen und Sänger. Wie gut die Balance zwischen Orchester und Bühne ausgehört ist, zeigt sich etwa daran, dass Yannick-Muriel Noah in der Partie der Leonora ein expressives Piano in einen satten Forte-Klang hinein singen kann und sofort den Fokus auf sich lenkt. (STEFAN SCHMÖE, Online Musik Magazin, 2.2.25)
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